Zwischen Wellen & Worten #1

Es ist Freitag, der 23. Januar, und ich sitze in Lissabon am Flughafen – zwischen einer offensichtlich spanischen Freundesgruppe.

Seit ungefähr sechs Monaten bin ich zum zweiten Mal selbstständig. Ich kann es selbst kaum glauben. Der Anfang – und die letzten Jahre – waren schwer. Vor allem der erste Versuch ging krachend schief.

Wahrscheinlich werde ich darüber irgendwann gesondert schreiben.

Aber wie heißt es so schön: Man muss immer einmal mehr aufstehen, als man hinfällt.

Während mir in verrückter Geschwindigkeit Spanisch um die Ohren fliegt, versuche ich, klare Gedanken zu fassen. Vor Kurzem habe ich das Buch Nazaré von Matt Majendie gelesen. Beeindruckend – innerhalb weniger Tage habe ich es verschlungen.

In diesem Newsletter möchte ich teilen, welche Bücher ich lese, was ich selbst erlebt habe und welche Gedanken mich dabei begleiten. Für mich sind die Big-Wave-Surfer von Nazaré echte Helden – und ich glaube, man kann viel von ihnen lernen.

Am meisten beschäftigen mich Sebastian Steudtner, der deutsche Weltrekordhalter, und Nic von Rupp, der Profi-Portugiese, der (zumindest für mich) einer der besten Barrel-Surfer der Welt ist. Seitdem ich die Wellen dort selbst gesehen habe, frage ich mich, welche Leidenschaft – und welcher Opferwille – nötig sind, um so einen Lebenstraum möglich zu machen.

Ich frage mich auch, wie die Finanzierung dieses Vorhabens aussieht. Und wie sie es am Anfang geschafft haben, als es diese Professionalität noch nicht gab.

Das erinnert mich an meine eigenen Anfangszeiten in der „Business“-Karriere – die irgendwie immer noch andauern. Ich schreibe diese Zeilen auf einem Laptop, den ich mir selbst nie gekauft habe. Und ich hatte so oft das Glück (oder den Zufall), Menschen und Umstände im Leben zu haben, die mich unterstützt haben – auch ohne das nötige Kleingeld, das man dafür eigentlich bräuchte.

Gleichzeitig habe ich seit Mitte zwanzig einen dicken Schuldenberg vor mir hergeschoben: über 25.000 Euro – für ein Studium, eine gescheiterte Selbstständigkeit und ein paar falsche Entscheidungen. Und man muss ehrlich sagen: Wenn man kein Geld hat, ist man zwangsläufig öfter auf schlechte finanzielle Entscheidungen angewiesen. Zum Beispiel ein Auto zu leasen, weil man nicht mal 1–2k aufbringen kann, um sich überhaupt eins zu kaufen.

Was will ich mit diesem Newsletter erreichen?

Ehrlich gesagt: gar nichts. Ich habe sicher einen gewissen Geltungsdrang – den ich in Therapie oder mit meiner liebenswerten Partnerin vermutlich schon tausendfach besprochen habe. Und trotzdem will ich das hier einfach machen, weil ich Spaß daran habe. Ohne Ziele, ohne externe Anreize.

Erst kürzlich habe ich mir „autotelisch“ tätowieren lassen. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß: sich selbst Sinn gebend, ein Selbstzweck. Gefunden habe ich es durch meine Beschäftigung mit „Flow“. Der ungarische Forscher Mihály Csíkszentmihályi (ja, dieser Name …) hat darüber ein sehr spannendes Buch geschrieben – und mich dazu inspiriert, in meinem Leben mehr Raum für autotelische Erlebnisse zu schaffen. Vielleicht sogar für die Entwicklung einer autotelischen Persönlichkeit.

Und hier schlage ich den Bogen zurück zu den Big-Wave-Surfern: Die erleben beim Surfen dieser Wellen vermutlich zu 100% etwas Autotelisches – komplett im Flow, ohne externe Bestätigung, ohne Belohnung von außen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie bereit sind, sich solchen Todesgefahren auszusetzen.

Im Endeffekt bin ich gerade einfach froh, an welchem Punkt ich in meinem Leben bin. Ich bin dankbar für meine Gesundheit und für die Menschen in meinem Leben.

Und falls sich jemand findet, der das hier liest: Ich wünsche dir, dass du ebenfalls mehr autotelische Momente in dein Leben bringst.

Das reicht fürs Erste.

Danke an die spanischen Jungs, dass sie sich jetzt mit ihren Handys beschäftigen – und ich im sanften Pommes-Duft meiner Nachbarn diese Zeilen vollenden kann.

Hoffentlich bis bald – in diesem neuen und ungewöhnlichen Format.

Ein schönes Wochenende und bis bald.

Euer Tom.

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Zwischen Wellen & Worten #2